Weiser Kater

2004 Textilbild Weiser Kater auf Baumwolle 79×69 cm

Das Textilbild Weiser Kater mutet etwas lateinamerikanisch an. Auf dem Fell dieses schwarzen Katers auf rotem Grund befinden sich zahlreiche Augen. Augen als Zeichen der sinnlichen und geistigen Warhnehmung? Der Schwanz ist hier überraschend spiralförmig dargestellt. Dieses graphische Symbol ist uns bekannt als Zeichen des Werdens und der ewigen Wiederkehr.

Katzen haben über die Jahrhunderte hinweg die verschiedensten Deutungen erfahren. Diese Tiere umgeben seit jeher eine Aura von Majestät und Mysterium. Nicht zuletzt trug die Nachtaktivität der Katze und die irritierende Erweiterung ihrer Pupillen bei ihren Jagdzügen in der Dämmerung und dem Aufleuchten der Pupillen im Dunklen bei Lichteinfall zu dieser Zuschreibung bei. Die Ureinwohner Südamerikas glaubten gar es handle sich um „Spiegelaugen“, die ein Fenster zur Seele seien und die Zukunft spiegeln könnten.

Natürlich darf auch der von Puschkin inspirierte weise Kater, der gerne Märchen erzählt, nicht fehlen.

Ein Eichbaum ragt am Meeresstrande.
An goldner Kette festgemacht,
Kreist rund um seinen Stamm im Sande
Ein weiser Kater Tag und Nacht.
Geht’s rechts, hört man ein Lied ihn surren,
Geht’s linksherum – ein Märchen schnurren.
Von Zauber ist die Bucht umschauert:
Der Schrat geht um, die Nixe lauert,
Tierspuren, seltsame, erscheinen
Auf fremdem, unbetretnem Pfad,
Ein Häuschen steht auf Hühnerbeinen,
Das weder Tür noch Fenster hat.
Durch Wald und Sumpf Gespenster jagen;
Und wenn die Wellen donnernd schlagen
Im Frührot auf den Ufersand,
Da mag den Bart der Meergott zeigen,
Da sieht man dreißig Recken steigen
Geharnischt an den öden Strand.
Da mag der Königssohn besiegen
Den Zaren, der sein Volk gequält,
Der Zaubrer durch die Wolken fliegen
Weit über Meere, Wald und Feld,
Und mit ihm fliegt der wackre Held.
Da sieht man die Prinzessin traurig
Im Turm, vom treuen Wolf umhegt,
Den Mörser mit der Hexe schaurig
Umgehn, von Zauberhand bewegt,
Nach Gold den Geizhals sterben gieren;
Alt-Rußlands Geist kann man dort spüren!
Auch ich war dort, hab Met getrunken,
Saß unterm grünen Eichenbaum,
Dem Kater lauschend, ganz versunken
In alter Märchen Wundertraum.
Das schönste – sollt ich euch verhehlen? –
Will ich euch frank und frei erzählen…

2 Antworten

  1. Hallo liebe Frau Ogrodovski, ich habe gesucht im Internet nach deutscher Übersetzung von U Lukomorja Dub zelenyj und zufällig Ihre Webseite entdeckt. Das ist wirklich wundervoll. Die Galery zeigt sehr viele schönen Sachen. Ich bin hier fündig geworden. Ich hätte gern erfahren ob es bei der Übersetzung des Gedichts um Ihre eigene handelt und ob ich das privat für meine Kinder nutzen darf? Liebe Grüße
    • Hallo Andre! Ich habe eine Übersetzung des Gedichtes irgendwo gefunden. Wahrscheinlich auch im Internet. Das ist aber schon lange her. Liebe Grüße

Antworte auf den Kommentar von Julija Ogrodowski